Wo Land drauf steht ist manchmal nur Mist drinn

Wie Foodwatch in seiner aktuellen Kampagne zeigt ist nicht alles vom “Land” wie uns die Lebensmittelindustrie glauben machen möchte. Slogan wie „Genießen Sie einen kleinen Ausflug aufs Land und entdecken Sie den ursprünglichen Genuss vertrauter Früchte, die noch in Ruhe heranreifen können“ täuschen den Verbraucher absichtlich, steckt in den meisten Produkten weder gutes vom Land geschweige denn das, was auf der Verpackung abgebildet ist, so etwa “Landlust Mirabelle & Birne“. Keine Mirabelle in der Zutatenliste. Statt dessen greift man hier zu billiger Industrieware. Aber “Industrielust – Aromen aus Sägemehl oder Schimmelpilz” liest sich weder gut, noch verkauft es sich. Aber es käme der Wahrheit wesentlich näher.

Abgespeist – hier der ganze Beitrag

Geflügelsau – Geflügelwurst mit Schweinerei


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Wie im vom Foodwatch am 8.12.2010 veröffentlichtem Artikel “Gutfried Puten-Cervelatwurst: Schwein im Federkleid” zu lesen ist, bestehen viele Geflügelwurst-Produkte nicht nur aus Geflügel, sondern beinhalten Schweinefleischanteile, die nahezu genau so hoch sind wie der Geflügelanteil. Im Fall von “Gutfried Puten Cervelatwurst” bestehen 100g Wurst aus 64g Putenfleisch und 58g Schweinefleisch. Und dies, ohne auf der Verpackungsvordseite darauf hinzuweisen. Wer nun “Geflügelwurst” kauft, in der Annahme, er würde ein Produkt erwerben, das nur aus Geflügelfleisch besteht, der wird hier betrogen.

Jetzt muss man wissen, das es gängige Praxis ist, Geflügelwurstprodukte mit Schweinefleisch herzustellen, und das dies auch rechtlich absolut in Ordnung ist. Nur ein Fleischprodukt, das den Zusatz “Rein” in der Beschreibung führt, also “Reine Geflügelwurst”, dürfte auch nur aus Geflügelfleisch hergestellt sein.
Warum aber nun Geflügelwürste oft nicht nur aus Geflügelfleisch hergestellt werden hat folgende Gründe. Schweinefleisch enthält mehr Fett als Geflügelfleisch. Fett ist ein natürlicher Geschmacksträger. Außerdem unterstützt das Schweinefleisch die Bindung. Ohne diesen Zusatz würden viele Wustsorten kaum Geschmack entwickeln oder einfach auseinanderfallen. Andererseits liefert die chemische Lebensmittelindustrie sicherlich genug Produkte, mit denen man faden, bröseligen Würsten bessere Eigenschaften verleihen kann. Sind diese nicht enthalten, so sehe ich auch kein Problem wenn dazu auf Schweinefleisch zurückgegriffen wird.

Die Frage, warum der Zusatz von Schweinefleisch nur in der Zutatenliste aufgeführt wird bleibt aber dennoch.

Die Firma Nölke GmbH & Co. KG aus Versmold, deren bekannteste Produktlinie wohl die Marke “Gutfried” ist, erklärte mir dazu am Telefon, das der Hinweis auf Schweinefleisch in Geflügelwurstprodukten die Verbraucher verwirren könne. Kunden, die aufgrund von Glaubensfragen kein Schweinefleisch zu sich nehmen dürfen, würden sich ohnehin die Zutatenliste anschauen.

Wie das in der Praxis aussieht kann sich jeder selbst vorstellen. Alleine die Annahme, die Kunden wären durch eine Zutatenliste in einer Schriftgröße von nicht einmal 2mm ausreichend informiert, spottet jeder Beschreibung. Solcherlei Informationen müssen sich dem Kunden leicht und sofort erschließen. Dies sollte und muss aber auch im Lebensmittelrecht verankert sein.

Als gutes Beispiel geht hier anscheinend Lidl mit der Marke “Dulano” vorran. Dort soll auf der Vorderseite dann zu lesen sein “Dulano Spitzenqualität, Delikatess Leberwurst, fein, mit Geflügel- und Schweinefleisch”. Problem erkannt und gelöst, wie mir scheint.

Wer hier Änderungsbedarf sieht, sollte sich auf der Seite von Foodwatch.de weiter informieren und entweder “Mit den Füßen abstimmen” und solcherlei Produkte schlichtweg nicht mehr kaufen, oder sich bei den Herstellern beschweren. Auch dies ist über Foodwatch.de möglich.