Pringles XTREME verarscht

Update vom 10.02.2012: Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtete auf Ihrer Seite von versteckten Preiserhöhungen durch kleinere Abpackungen. Der Artikel mit Stand April 2011 bringt einige interessante Fakten zu diesem Thema, und, siehe da, Pringles werden hier auch schon erwähnt. Laut diesem Artikel senkte Procter&Gamble inerhalb von 4 Jahren die Abfüllmenge von Pringles um 35g, von 200g auf aktuelle 165g, und das bei gleichbleibenden oder steigenden Preisen. Sind denn jetzt die Pringles alle “Premium”-Artikel geworden?

Ich hab mir die Tage zwei Packungen Pringles gekauft, einmal die normale Edition und einmal die XTREME. Ich hab mich XTREME verarscht gefühlt. Die Packungsgröße ist bei beiden Produktsorten exakt gleich, lediglich die abgefüllte Menge in den Packungen schwankt, und das um sage und schreibe 15 Gramm. Sind in der normalen Packung 165 Gramm enthalten, so erhält man in der XTREME-Edition lediglich 150 Gramm. Das sind immerhin 9% Unterschied.

Das Problem: Der Preis für beide Produkte ist der gleiche.

Um dem ganzen auf den Grund zu gehen hab ich dann mal bei Procter & Gamble, dem Hersteller der Pringles-Produkte, angerufen. Nach einer Warteschleife von 5 Minuten bekam ich dann die Antwort das “Die Pringles XTREME-Edition das Premiumprodukt der Serie sei. Diese seien in der Regel immer teurer oder kleiner Abgepackt.” Anscheinend wusste man das so im eigenen Haus auch erst auf Nachfrage. Steht ja auch nirgends. Weder auf der Verpackung, noch auf der Produkteigenen Homepage.

Premiumprodukt? Das wusste ich auch noch nicht. Davon abgesehen das sich die beiden Packungen durch die Geschmacksgebenden Zutaten in der Zutatenliste nicht unterscheiden scheint mir einzig die Verpackungsgröße für die XTREME-Serie Premium zu sein: viel Platz damit sich das Premiumprodukt wohlfühlen kann.

Was man Procter & Gamble aber zugestehen muss: Der Mengenunterschied wird natürlich jedem sofort ersichtlich, der sich die Verpackung einmal etwas genauer anschaut. Und das, so die Aussage meiner Gesprächspartnerin, würde sie auch immer machen, selbst wenn sie sich vom selben Hersteller ein Produkt mit anderem Geschmack kaufen würde, so, wie ich es in diesem Fall gemacht habe.

Hier sieht man den Unterschied zwischen Pringles XTREME und normal

Hier sieht man den Unterschied zwischen Pringles XTREME und normal

Pringles "Premium" links (Pringles XTREME), die "normalos" rechts im Bild

Pringles "Premium" links (Pringles XTREME), die "normalos" rechts im Bild

Wo Land drauf steht ist manchmal nur Mist drinn

Wie Foodwatch in seiner aktuellen Kampagne zeigt ist nicht alles vom “Land” wie uns die Lebensmittelindustrie glauben machen möchte. Slogan wie „Genießen Sie einen kleinen Ausflug aufs Land und entdecken Sie den ursprünglichen Genuss vertrauter Früchte, die noch in Ruhe heranreifen können“ täuschen den Verbraucher absichtlich, steckt in den meisten Produkten weder gutes vom Land geschweige denn das, was auf der Verpackung abgebildet ist, so etwa “Landlust Mirabelle & Birne“. Keine Mirabelle in der Zutatenliste. Statt dessen greift man hier zu billiger Industrieware. Aber “Industrielust – Aromen aus Sägemehl oder Schimmelpilz” liest sich weder gut, noch verkauft es sich. Aber es käme der Wahrheit wesentlich näher.

Abgespeist – hier der ganze Beitrag

Preisabsprachen bei Instant-Cappuccino

geröstete Kaffeebohnen

geröstete Kaffeebohnen

Wie Heute auf Tagesschau.de zu lesen ist, haben 3 Kaffeeröster durch Preisabsprachen die Preise für Instant-Cappuccino künstlich erhöht. Hierbei handle es sich um  Kraft Foods Deutschland, Krüger und Melitta. Bemerkenswert ist hier die Tatsache, das es sich bei Melitta und Kraft Foods Deutschland um Wiederholungstäter zu handeln scheint, denn schon 2009 wurde eine Strafe gegen Melitta wegen Preisabsprachen im Bereich der Röstkaffeeprodukte verhängt, Kraft Foods hingegen wurde gerade letztes Jahr zu einer Strafe vom Bundeskartellamt verdonnert. Mehr zu diesem Thema ist hier (Tagesschau.de) und hier (Wikipedia) zu finden.

14.000 Davids gegen den 3-Käse-hoch-Goliath

Der Artikel bezieht sich auf folgende Artikel:Alles Käse – am Rand zur Resisten und E 235 aka Natamycin – der Rand der Wahrheit

Wie bereits berichtet hat Foodwatch.de eine Kampagne gegen die dreisste Werbelüge des Käseherstellers Bongrain gestartet. Undohne Umschweife gibts jetzt ein klares Ergebniss: Bongrain nimmt nicht nur den Werbeslogan “mit essbarer Rinde” runter vom “Saint Albray Klosterkäse” sondern will in Zukunft sogar vom Verzehr der Rinde abraten. Ob Bongrain sein Wort hält bleibt abzuwarten, wir bleiben dran um Bongrain nötigenfalls an ihr Versprechen zu erinnern.

Was mich persönlich freudig stimmt ist die Tatsache, das die Verbraucher keineswegs hilflos gegen die Irreführung auf Lebensmittelverpackungen sind oder sich von der Lebensmittelindustrie für dumm verkaufen lassen müssen. 14.000 Beschwerden haben hier etwas erreicht14.000 Emails. Um etwas zu bewegen muss man also nicht mal auf die Straße gehen. Wer da noch sagt “Was kann ein einzelner denn da machen?”, dem sei hiermit gesagt, “Mach aufmerksam auf die Mißstände und erzähl es weiter.”

Denn je mehr Menschen um solcherlei und andere Mißstände wissen, umso eher passiert etwas.

E 235 aka Natamycin – der Rand der Wahrheit

Dieser Artikel bezieht sich auf den Artikel “Alles Käse – am Rand zur Resistenz” vom 05.10.2011

Wie Foodwatch.de heute Mitteilt hat Bongrain auf die 7.000 Beschwerden der Mitmachaktion von Abgespeist.de reagiert: Der Konzern teilte mit er wolle in Zukunft nicht mehr mit der “essbaren Rinde” werben. Was auf den ersten Blick wie ein großer Erfolg erscheinen mag ist auf den zweiten Blick eine ganz natürliche Reaktion aus der PR-Abteilung. Zwar bewirbt der Konzern eigenen Aussagen in Zukunft nicht mehr die “essbare Rinde”, verschwunden ist das Problem aber nicht. Ganz im Gegenteil. Das Signal das hier gegeben wird lautet, “Ihr könnt wieder unseren Käse essen.” Ob die Konsumenten dadurch aber auch vergessen, das der Konzern immerhin mindestens 10 Monate mit dem “essbaren Rand” geworben hat. Im Januar diesen Jahres wurde laut Foodwatch.de der erste Fernsehspot zu diesem Produkt gesendet. Das muss man erst einmal vergessen. Immerhin hat sich bei den Meisten ja auch die Milchschnitte als “leicht” im Kopf festgesetzt.

Die Aussage “mit essbarer Rinde” verschwindet, E 235 (Natamycin) bleibt. Und das nicht nur bei Bongrains “Saint Albray Klosterkäse”, auch der “Old Amsterdam” wird mit Natamycin behandelt. Man schaue sich nur die Auszeichnungen an, die dieser Käse gewonnen hat. Westland Kaasspecialiteiten B.V. bewirbt zwar den Käse nicht in solch irreführender Art wie Bongrain, jedoch wird hier auf der Packung nur die E Nummer (E 235) angegeben. In wie weit die Aussage (nur auf der Rinde) zutrifft ist für mich nicht nachweisbar, jedoch sollte der Verbraucher gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, sich darum Gedanken machen zu müssen. Entweder eine Rinde ohne E 235 (Natamycin) oder der Käse wird ohne selbige Verkauft. Laut der Wikipedia darf Natamycin 5 mm unterhalb der Rinde nicht mehr nachweisbar sein. Diese Aussage deckt sich auch mit der Empfehlung des Bundesamtes für Risikobewertung mindestens 5 mm der Rinde abzuschneiden. Beim Saint Albray Klosterkäse blieben von den 150g verpacktem Käse nur noch in etwa 120 g übrig, also gut 20 Prozent Müll mit in der Packung. Müll, den der Kunde bezahlt, isst und hoffentlich nicht merkt, was er da in sich hineinstopft.

Auf der Webseite des “Old Amsterdam” finden sich auch Rezepte. Das schlimme hierbei: Nirgends wird erwähnt das der Rand nicht mit gegessen werden soll, einfach die Scheiben drauflegen und gut. Doch, hier, im Disclaimer.  Keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Daten. Ich sag nur “Hm, lecker.”

Was kann ich als Verbraucher denn nun alleine tun?

Meine Empfehlung: Schaut auf das Etikett. E 235 (Natamycin) muss ausgewiesen werden. Da dieses Medikament vorsorglich als Pilzschutzmittel auf den Käse kommt fallen wohl alle Käsesorten weg, die von einem Edelschimmel umgeben sind. Ausserdem steigt die Möglichkeit eines Pilzbefalls natürlich mit der länge der Reife. Je fester und reifer ein Käse ist, umso größer ist die Möglichkeit, das bei der Produktion Natamycin zum Einsatz kam.

Alles Käse – am Rand zur Resistenz

Bei dem Genuss von Käse stellt sich mir immer wieder die Frage: “Kann man den Rand mit essen?” Sicherlich kann man bei einigen Käsesorten die Rinde mit essen, als Beispiel sei hier einfach der Camembert erwähnt.

Wie die Verbraucherorganisation Foodwatch Heute verlauten lässt ist längst nicht jede Rinde essbar. Auch wenn der “Saint Albray Klosterkäse” von Bongrain nicht der einzige Käse ist, auf den dies zutrifft, so sticht doch gerade dieses Produkt aus der Masse hervor. Warum? Boingrain bewirbt sein Produkt mit der Aussage “mit essbarer Rinde”. Zwar ist dies rein fachlich und sogar gesetzlich nicht falsch, das Problem hierbei liegt aber in der Herstellung. Käse muss um eine ungewollte Schimmelbildung auf der Oberfläche zu verhindern gepflegt werden. Da Käse, mit Ausnahme von Frischkäse, reifen muss um seinen Geschmack zu entwickeln, ist es notwendig, ihn bei Temperaturen bis zu 23 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent zu lagern, ideale Vorraussetzungen für Schimmelbefall also. Um dies zu verhindern wird der Käse mit Salzwasser abgerieben. Nebenbei ensteht durch die Austrocknung des Käseaüßeren durch das Salzwasser die festere Rinde, der Käse entwickelt mehr Geschmack und Charakter.

Laut Foodwatch.de spart nun Bongrain an diesem Arbeitsschritt Personal ein, setzt dafür aber das Antimykotikum Natamycin ein, ein Medikament das zur Behandlung von Pilzbefall sowohl im menschlichem Darm, als auch Mundraum sowie der Augen verwendet wird. Angemerkt werden muss hier das Natamycin als Konservierungsmittel zugelassen worden ist, sowohl für Hart-, Schnitt- als auch halbfestem Käse.  Staatliche Bundesinstitute wie das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Max Rubner-Institut raten von einem Verzehr schon kleiner Mengen ab. Die Gefahr: Es können sich resistenzen bilden. Wer einen Eindruck davon erhalten möchte, wie sich ein Kandidose (Soor) bemerkbar macht, der schaue sich einmal dieses Bild hier an. Um dem Vorzubeugen wird empfohlen, die Käserinde mindestens 5 mm dick abzuschneiden, danach darf der Zusatz von Natamycin nicht mehr nachweisbar sein.

Hm, lecker. Käserinde.

Wer sich hiergegen wehren will, der sollte sich bei der Mitmachaktion beteiligen und “Mit den Füßen abstimmen”.

Links
Natamycin in der Wikipedia
Käse in der Wikipedia
Abgespeist.de – Die Kampagne gegen Natamycin
foodwatch.de Die Essensretter
Bongrain – Der Hersteller von “Saint Albray Klosterkäse”
Kandidose