E 235 aka Natamycin – der Rand der Wahrheit

Dieser Artikel bezieht sich auf den Artikel “Alles Käse – am Rand zur Resistenz” vom 05.10.2011

Wie Foodwatch.de heute Mitteilt hat Bongrain auf die 7.000 Beschwerden der Mitmachaktion von Abgespeist.de reagiert: Der Konzern teilte mit er wolle in Zukunft nicht mehr mit der “essbaren Rinde” werben. Was auf den ersten Blick wie ein großer Erfolg erscheinen mag ist auf den zweiten Blick eine ganz natürliche Reaktion aus der PR-Abteilung. Zwar bewirbt der Konzern eigenen Aussagen in Zukunft nicht mehr die “essbare Rinde”, verschwunden ist das Problem aber nicht. Ganz im Gegenteil. Das Signal das hier gegeben wird lautet, “Ihr könnt wieder unseren Käse essen.” Ob die Konsumenten dadurch aber auch vergessen, das der Konzern immerhin mindestens 10 Monate mit dem “essbaren Rand” geworben hat. Im Januar diesen Jahres wurde laut Foodwatch.de der erste Fernsehspot zu diesem Produkt gesendet. Das muss man erst einmal vergessen. Immerhin hat sich bei den Meisten ja auch die Milchschnitte als “leicht” im Kopf festgesetzt.

Die Aussage “mit essbarer Rinde” verschwindet, E 235 (Natamycin) bleibt. Und das nicht nur bei Bongrains “Saint Albray Klosterkäse”, auch der “Old Amsterdam” wird mit Natamycin behandelt. Man schaue sich nur die Auszeichnungen an, die dieser Käse gewonnen hat. Westland Kaasspecialiteiten B.V. bewirbt zwar den Käse nicht in solch irreführender Art wie Bongrain, jedoch wird hier auf der Packung nur die E Nummer (E 235) angegeben. In wie weit die Aussage (nur auf der Rinde) zutrifft ist für mich nicht nachweisbar, jedoch sollte der Verbraucher gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, sich darum Gedanken machen zu müssen. Entweder eine Rinde ohne E 235 (Natamycin) oder der Käse wird ohne selbige Verkauft. Laut der Wikipedia darf Natamycin 5 mm unterhalb der Rinde nicht mehr nachweisbar sein. Diese Aussage deckt sich auch mit der Empfehlung des Bundesamtes für Risikobewertung mindestens 5 mm der Rinde abzuschneiden. Beim Saint Albray Klosterkäse blieben von den 150g verpacktem Käse nur noch in etwa 120 g übrig, also gut 20 Prozent Müll mit in der Packung. Müll, den der Kunde bezahlt, isst und hoffentlich nicht merkt, was er da in sich hineinstopft.

Auf der Webseite des “Old Amsterdam” finden sich auch Rezepte. Das schlimme hierbei: Nirgends wird erwähnt das der Rand nicht mit gegessen werden soll, einfach die Scheiben drauflegen und gut. Doch, hier, im Disclaimer.  Keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Daten. Ich sag nur “Hm, lecker.”

Was kann ich als Verbraucher denn nun alleine tun?

Meine Empfehlung: Schaut auf das Etikett. E 235 (Natamycin) muss ausgewiesen werden. Da dieses Medikament vorsorglich als Pilzschutzmittel auf den Käse kommt fallen wohl alle Käsesorten weg, die von einem Edelschimmel umgeben sind. Ausserdem steigt die Möglichkeit eines Pilzbefalls natürlich mit der länge der Reife. Je fester und reifer ein Käse ist, umso größer ist die Möglichkeit, das bei der Produktion Natamycin zum Einsatz kam.

3 Gedanken zu „E 235 aka Natamycin – der Rand der Wahrheit

  1. Hallo,
    auf der aktuellen Verpackung von Saint albray findet sich kein Hinweis auf E235. Nur E160e ist angegeben.
    Ist E235 nun nicht mehr in diesem Käse enthalten?
    VG
    Ansgar

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