Gourmetmeile Minden 2011

Am Samstag war ich mit Oliver Hallmann (Oliver-Hallmann.de) auf der Gourmetmeile in Minden. Gemeinsam haben wir die Stände und Gerichte nebst einiger Weine unter die Lupe genommen. Und hier gibts den Podcast dazu.

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Stand 3 – Hotel Restaurant Schäferhof

Angefangen hat unser Tag mit diesem Beispiel für “Wie mache ich alles falsch”.

An Stand 3, Hotel Restaurant Schäferhof verkosteten wir die “Entenbrust, rosa gebraten mit Orangensauce, Linsengemüse und Kartoffelrösti”

Schauen wir uns den Teller einmal an. Das Disaster fängt bereits sehr oberflächlich an: Weder ist der Teller sauber angerichtet, noch wurde hier eine appetitliche Farbkombination gewählt. Das ganze Essen besteht aus Gelb, Braun und Rot. Die unsauber angerichtete Sauce tut ihr übriges.

Die Portion empfinde ich von der Menge sowie vom Preis als viel zu groß für eine Gourmetmeile. Wir wollen ja viel verschiedenes probieren.

Die Entenbrust war, wie im BIld zu sehen, nicht Rosa, die Röstis waren weder selbst hergestellt noch ordentlich zubereitet. Da sie im Ofen gebacken wurden, ohne Zugabe von Fett, waren sie weder saftig noch kross sondern ausgetrocknet und langweilig, weit unter Imbiss-Niveau.

Die Linsen wirkten auf mich als seien sie aus der Dose, nebst Suppengrün, und in Pulverbrühe erhitzt, was deutlich herauszuschmecken war. Auch die Orangensauce konnte das Gericht in keinster Weise retten, wie mir scheint liegt ihr Ursprung doch ebenfalls in einer Industriepackung und hatte Orangen auch nur im vorbei gehen erspäht.

Auf meine Frage, warum die Entenbrust nicht rosa sei, dies wurde ja auf der Speisentafel und dem Programmheft angepriesen, erhielt ich eine äußerst unangebrachte Reaktion: Völlig verständnislos nahm die Kellnerin die Frage hin, ging mit dem Teller (auf dem sich noch die Hälfte der Portion befand) in den abgetrennten Küchenbereich und gab die Frage an den Koch weiter. Dieser meinte ihr Gegenüber, die Ente sei doch rosa, und das in einem Tonfall den nur “Götter in Weiß” an den Tag legen. Lediglich ein “Der hat doch keine Ahnung” fehlte mir noch. Ohne jegliche Erklärung sollte sie uns das Geld dann wieder geben. Darum ging es uns beiden nicht und wir lehnten dankend ab. Nun erschien der Koch und erklärte uns, das die Entenbrust nach der Zubereitung warm gehalten würde, wodurch sie weiter durchgare.

“Warum bieten sie die Entenbrust dann rosa gebraten an, wenn es organisatorisch nicht möglich sei, jede Portion rosa zu servieren?” Mit einem nachdenklichem “Da haben sie recht” verabschiedete er sich von uns. Danke hierfür. Darum ging es mir. Kritik sollte immer einen Vorschlag zur Verbesserung enthalten, und vielleicht konnten wir dazu anregen. Denn, lieber wenig versprechen und viel halten als umgekehrt.

Vorschläge zur Besserung

Als erstes würde ich vorschlagen die Gerichte den Umständen anzupassen. Rosa gebratene Entenbrust auf einer Großveranstaltung ist ungefähr so sinnvoll wie ein Loch in ein Boot zu bohren: das kann nur schief gehen. Und gut zubereitet kann eine Entenbrust auch schmecken, wenn sie nicht mehr rosa ist. Streichen wir also das Rosa. Des weiteren haben Tiefkühlröstis auf einem Event, der das Wort “Gourmet” enthält nichts zu suchen. Besser wäre es hier gewesen, dieses Industrieprodukt ganz zu streichen. Anstatt von Suppenlinsen wäre ein selbst zubereiteter Linsensalat denkbar, wenngleich ich persönlich keine Linsen, sondern eher einen Broccoli mit Mandelbutter oder aber einen mit Rosinen verfeinerten Rotkohlsalat bevorzugen würde.

Das man freundlich und bemüht zu seien hat, wenn ein Kunde eine Frage hat versteht sich von selbst.

Stand 4 – Mindener Feinkosthaus

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Weiter ging es an den Stand Nummer 4, hier tischte das Mindener Feinkosthaus auf. Unsere Wahl fiel auf “Himmel trifft Hölle”, pikante und milde Käsesorten mit Portwein-Feigen und Cassis-Senf aus dem Klostergarten, sowie auf den “Jakobsweg”, gebratene Jakobsmuscheln in einer Limetten-Kräuter-Marinade mit Pilgerbrot und Dipp.

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Die Käsevariation war rund um gelungen, für jeden Geschmack war etwas dabei und hier ward weniger versprochen als geboten wurde. Neben den aufgeführten Bestandteilen fanden sich noch Weintrauben und ein Kürbiskern-Käsecracker sowie 2 Gebäckstangen auf dem Teller.

Auch das Personal war sehr freundlich und gab gerne Auskunft.

Der “Jakobsweg” hingegen war verbesserungsbedürftig.

Die Jakobsmuscheln, obwohl Tiefkühlware, schmeckten, dank der guten Zubereitung, sehr gut, lediglich eine kleine Prise Salz fehlte. Das Pilgerbrot war frisch aufgebacken, mit einer Kräuterbutter und Käse überbacken. Sehr lecker, jedoch überdeckte der Käse den feinen Geschmack der Muscheln. In diesem Fall hätte das Gericht durch den Verzicht auf Käse gewonnen.

Der Dipp, ein Konfit von roten Zwiebeln, passte geschmacklich gut zu den Muscheln, leider war die Konsistenz etwas zu flüssig, dadurch wirkte das Gericht unsauber angerichtet. Die Farbe, bedingt durch das Ausgangsmaterial, war nicht kräftig genug um appetitanregend zu wirken.

Mögliche Verbesserungen

Die Chillifäden schienen mir auf der Gourmetmeile der Petersilie den Rang ablaufen zu wollen, findet man sie doch im allgemeinen doch auf jedem Teller. Der leicht scharfe Geschmack der Fäden hätte bei diesem Gericht in einer aufgeschäumten Sauce eine viel bessere Verwendung gefunden. Wie bereits oben erwähnt hätte der Käse auf dem Pilgerbrot eher auf den Käseteller gepasst, bei den Muscheln war er einfach etwas zu viel.

Stand 12 – Hotel Bad Minden

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Weiter ging es an den Stand des Hotels Bad Minden, wir wollten den Seeteufel und das “Himmlische Tütchen” probieren.

Das “Himmlische Tütchen”, Fetakäse, Oliven, Paprika, Fleur de Sel und Thymian im Aromabeutelchen gegart, sah durch die verwendeten Zutaten und eine nicht zu lang gewählte Garzeit herrlich bunt und frisch aus, Geschmacklich konnte das Gericht absolut überzeugen. Aber natürlich nur, wenn man die Balsamicoreduktion ignorierte und nicht mitaß. Schade, das hier nur Baguette von der Stange dazu gereicht wurde.

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Der “Teufelspieß”, Seeteufel am Spieß in der Ingwermarinade mit mediterranem Gemüse, Safran-Limettenschmand und Baguettebrotscheiben entsprach leider nur optisch einem Gourmetgericht. Der Fisch war mir zu trocken, von Ingwer keine Spur, das Gemüse konnte mich ebenfalls nicht überzeugen, war die Aubergine doch noch recht fest und sehr ölig, die Zwiebel noch zu bissfest. Der Safran-Limettenschmand ließ jegliche Ähnlichkeit mit einem solchen vermissen, meine Vermutung diesbezüglich behalte ich jedoch für mich. Ein ganz grober Fehler war der Pfeffer als Tellergarnitur. Einmal draufgebissen gab es in meinem Mund keinen Platz mehr für feine Geschmäcker. Das ist ein absolutes “No Go”.

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Sehr schön angerichtet und angenehm erfrischend nach all den verschiedenen Geschmäckern kam der “Sanfte Engel 2011” daher, ein Blutorangensorbet mit Bourbon-Vanillesauce und Blue-Curacao Kavier. Angerichtet wurde die Sorbetkugel auf einer getrockneten Scheibe Orange, was nicht nur pfiffig aussah sondern auch den Vorteil mit sich bringt, daß das Sorbet dort blieb, wo es sein sollte: in der Mitte des Tellers. Sehr schön.

Mögliche Verbesserungen

Das Sorbet gefiel so wie es daherkam, ebenso das “Himmlische Tütchen”. Dieses jedoch hätte gerne auf die Balsamicoreduktion verzichtet und dafür ein paar angeröstete, zerstoßene Pinienkerne an seiner Seite gehabt. Der Seeteufel hätte sich sicherlich auf einem Bett von Ratatouille wohler gefühlt. Auch hier hätte der Pfeffer einen Platzverweis vertragen, als Auswechselspieler hätte Pistazie sicherlich das Team ergänzt und nicht durch eine nachhaltige Solorolle das Gaumenkino dominiert.

Und bitte kein Baguette mehr von der Stange. Das bekomm ich überall, in Herford gibt es teilweise zur Bratwurst bessere Beilagen.

Stand 16 – Holland´s Gourmet Service

Weiter dann zum 16. Stand auf der Mindener Gourmet-Meile, Holland´s Gourmet Service. Hier teilten wir uns sowohl die “Entenbrust unter der Gemüsekruste mit chinesischen Pilzen und süsser Chili-Sauce mit körnigem Reis” sowie die “Tranche vom Kalbsrücken auf einer Rahmsauce von Steinpilzchampignon und Morcheln mit Gemüse-Fetuccine und gerüffeltem Kartoffel-Blumenkohlpüree”.

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Beide Gerichte konnten hier leider auch den Anspruch an eine Gourmetküche nicht erfüllen. Die Tranche vom Kalbsrücken war übergart, das Kartoffel-Blumenkohlpüree war leicht bitter und ließ jeglichen Geschmack nach Trüffeln komplett vermissen. Nebenbei bemerkt handelte es sich hier nicht um ein Püree, vielmehr gab es Stampfkartoffeln, was ich als sehr positiv empfand, bieten die Kartoffelstücke doch ein wesentlich besseres Mundgefühl als ein einfaches Kartoffelpüree.

Die Sauce enthielt Morcheln und braune Champignons, leider schmeckte ich erstere aber auch so gut wie gar nicht heraus. Und ich lasse mich da gerne belehren, aber Steinpilzchampignons sind bitte was? Braune Champignons? Wenn dem so ist, dann schreibt man das auch so. Aber natürlich hört sich Steinpilz und Morchel besser an. Die Gemüse-Fetuccine bestanden aus Zuccini und waren farblich wie geschmacklich sehr angenehm, leider aber sehr weich.

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Die Ente im Gemüsemantel, leider nicht in der Kruste, wurde komplett von dem im Mantel enthaltenem Gemüse überdeckt, vom feinen Geschmack des Geflügels war nichts herauszuschmecken. Da der Mantel überhaupt nicht knusprig war, fehlten dem Gericht auch die Röstaromen, die es ungleich bereichert hätte. Der Reis war komplett belanglos, das Gemüse hingegen war schon auf dem richtigen Weg.

Verbesserungen

Vielleicht sollte man sich überlegen ob man nicht einfach das Aufschreibt, was man serviert und nicht, was man eigentlich gerne servieren würde. Und wenn schon Trüffel, Morcheln und eine Kruste angepriesen werden, dann würde ich mir wünschen, das ich das auch bekommen kann. Der Kalbsrücken hätte eine Zubereitung als Rückensteak sicher auch als ihm angemessener empfunden, so musste er wohl doch zu lange im Fegefeuer “schmoren”.

Resümee

Wir drei verbrachten eine sehr angenehme Zeit auf der Gourmet-Meile und ich werde sie nächstes Jahr auf genau die gleiche Weise nutzen, zu zweit oder zu dritt herumgehen und möglichst viele der Leckereien probieren und darüber diskutieren und reden.

Wirklich schlecht und ungenießbar war keines der Essen, leider konnte ich nicht alles probieren, was sowohl durch Zeit- als auch Geldmangel nicht möglich war. Und ich würde auf jeden Fall wieder jemanden mitnehmen wollen, der mir die Welt der Weine näher bringt. Erst die Kombination aus Essen und Trinken machte die Gourmet-Meile für mich zu einem gelungenem Erlebnis. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Qualität der Speisen wesentlich gebessert, von einer Gourmet-Meile sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. Ich würde mir was die Speisenauswahl angeht auch mehr Abwechslung wünschen, Ente und Pfifferlinge gab es einfach viel zu viele, ebenso Garnelen und Schweinefilet. Vielleicht traut sich ja jemand an Schmorgerichte wie Kalbsbäckchen oder versucht es mit echten Meeresfrüchten.

Vielen Dank an Oliver Hallmann für die wundervollen Fotos, die alle unter CC Lizenz veröffentlicht wurden.

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